Formcheck #2. Kann man einfach so 3,8km schwimmen?

3,8km Schwimmen, bevor es für 180km auf’s Rad geht, um danach dann noch einen kompletten Marathon zu absolvieren. Das ist Langdistanztriathlon. Das ist, was ich im nächsten Jahr machen will. Einmal einen Ironman finishen. Aber zuerst muss ich wissen, was da auf mich zukommt. Zumindest so in etwa. In der letzten Woche habe ich ja schon den ersten Schritt in Richtung der 180km mit dem Rennrad gemacht und bin mit 125km immerhin 35km mehr gefahren als jemals zuvor. Mehr dazu könnt ihr im Beitrag zum Formcheck #1. lesen.

Formcheck #2. Die erste Disziplin. Am Mittwoch habe ich mir nun die 3,8km Schwimmen vorgenommen. Im Training war ich irgendwann schon einmal knappe 3km geschwommen. Allerdings inklusive Technikübungen, verschiedenen Schwimmstilen, mit diversen Hilfsmitteln wie Pull-Buoy, Brett oder Flossen und mit Pausen. Die maximale Strecke, die ich bisher komplett kraulend hinter mich gebracht habe, waren 1,9km, also genau de Hälfte. Mein Plan für den zweiten Kraulcheck sah also genau das für 3,8km vor. In einem 25m-Becken sind das unglaubliche 152 Bahnen. Einhundert. Zweiundfünfzig. Als ich über diese Zahl genauer nachgedacht habe, war ich auch gar nicht mehr so sicher, ob ich das schaffen würde. Aber wenn ich mir etwas vornehme, dann zieh ich das durch.

Die Wahl des Freibades. Naturbad Bardowicker Strand. Für Mittwoch war ja Bombenwetter angekündigt und es war auch morgens schon wirklich schön warm. Die Sonne hat geschienen und der Himmel war blau. Das Hallenbad kam also gar nicht erst in die engere Auswahl. In der letzten Saison war ich immer im Freibad Stelle. Dort gibt es nämlich die Möglichkeit, eine Saisonkarte zu erwerben und damit einen Leihschlüssel für diese Zeit, sodass man von montags bis sonntags schon vor der normalen Öffnungszeit das Bad von 6:00-8:00Uhr zum Frühschwimmen nutzen konnte. Da ist noch nicht viel los und man kommt mit wirklich vielen, sehr netten Senioren ins Gespräch, die dort täglich ihre Bahnen ziehen. Ohne Saisonkarte zahlt man 3€ Eintritt, womit man aber, wie ich finde, durchaus leben kann. Mehr dazu erfahrt ihr unter Freibad Stelle – Infos.

Da ich nun aber nicht mehr in Winsen wohne, stellte sich die Frage nach einem Bad in der Nähe unseres neuen Zuhauses. So kam ich auf das Naturbad Bardowicker Strand. Nur 1,50€ Eintritt und tatsächlich Wasser, das ohne Chlor und Ähnliches auskommt. Als ich dort ankam, war ich direkt begeistert von der ganzen Anlage. Es gibt einen kleinen Strand und rund um das Becken bewegt man sich auf Holzbohlen. Außerdem bietet das Freibad 50m-Bahnen, sodass ich statt 152 nur 76 Bahnen schwimmen muss, um 3,8km zu kommen. Das hört sich doch schon gleich machbarer an. Noch mehr Infos zu diesem Bad gibt’s hier.

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Versuch Nr.1. Ich bin ja optimistisch. Einziger Nachteil des Naturbads: das Becken ist nicht beheizt und dementsprechend liegt die Wassertemperatur bei gerade einmal 19,5°C. Da es ja schon morgens um 10Uhr so warm war und ich da noch nicht wusste, dass das Wasser so kalt ist, habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Nach den ersten paar Bahnen habe ich dann angefangen zu zittern und ich hatte am ganzen Körper Gänsehaut, Nun war ich ja aber da und ich wollte unbedingt testen, ob ich die Ironmanstrecke schwimmen kann oder nicht. Also habe ich mir gesagt: „Du packst das schon. Einfach weiterschwimmen. Nach weiteren 5min konnte ich dann meine Lippen und Finger kaum noch richtig bewegen, weil die vor Kälte ganz steif waren. Das war dann der Punkt, an dem ich den Formcheck abbrechen musste. So konnte ich auf keinen Fall 1,5h schwimmen, ohne eine Unterkühlung zu riskieren. So gern ich auch weitergeschwommen wäre, es ging einfach nicht. Ich habe mich total geärgert, dass ich nicht vorher darüber nachgedacht und vorsorglich den Neo eingepackt habe. Vor allem war das Bad noch total leer und ich hatte das Becken fast für mich allein. Aber gut, das war dann so. Daraus lernt man. Etwas geknickt habe ich dann meine Sachen zusammengepackt und bin wieder nach Hause gefahren.

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Versuch Nr.2. So schnell gebe ich nicht auf. Zu Hause angekommen habe ich mir den Wetterbericht für die nächsten Tage angeschaut. Fast nur Regen. Da dachte ich mir, wieso eigentlich nicht am Abend noch einmal ins Freibad und dann einen zweiten Versuch starten. Dieses Mal im Neoprenanzug. Gesagt, getan. Wegen der Hitze und einem dementsprechend am Nachmittags wahrscheinlich mehr als überfüllten Bad bin ich erst um 18Uhr wieder hingefahren. Den Neo hatte ich bis zur Hüfte schon zu Hause übergestreift. Das war nämlich bei den Temperaturen schon schwierig genug. Außerdem haben mich die anderen Badegäste eh schon total komisch angeguckt, als ich bei 30 Grad im Schatten im Neoprenanzug durchs Freibad marschiert bin. Da wäre ich ja erst recht die Attraktion gewesen, wenn ich mich vor Ort in das enge Ding gequält hätte. Sowas muss man auf jeden aushalten können. Die Blicke von vielen Leuten, wenn sie etwas sehen, dass sie sonst scheinbar nicht zu sehen bekommen. Meist reicht dafür ja schon eine Badekappe. Ich habe mir einfach gedacht: „Wartet erstmal ab, bis ich hier 76 mal die 50m kraulend zurücklege und dabei diverse Leute überhole.“ Ich hatte mein Ziel vor Augen und wenn das bedeutet, dass man auch mal von der Seite belächelt wird, dann ist das eben so. Wenn mich sowas schon von meinem Weg abbringen würde, dann sollte ich diesen wohl gar nicht erst auf mich nehmen.

1,9km geschafft. Schon wieder Abbruch? Um 18.30Uhr zogen dann ein paar Wolken auf und das Bad leerte sich zunehmend. Gut für mich, so hatte ich mehr Platz, um meine Bahnen zu ziehen. Mit Neo war die Wassertemperatur auch kein Problem mehr und die erste Hälfte der Strecke verlief super. Dann fing der Neo an, ganz furchtbar im Nacken zu scheuern und ich war kurz davor, meinen Formcheck erneut abzubrechen. Und ich habe wirklich nicht nur einmal darüber nachgedacht. In solchen Momenten heißt es dann, Zähne zusammenbeißen und mentale Stärke zu beweisen. Ich habe mir einfach immer kleine Stücke vorgenommen. Aus dem Ziel, zumindest 2500m voll zu machen, wurde dann das Knacken der 3000er-Marke. Und als die dann erreicht war, fehlten ja nur noch 800m. Dreimal hin und her, dann waren es nur noch 500m. 10 Bahnen. Fünfmal hin und zurück. „Das schaffst du jetzt auch noch.“, habe ich mir gedacht und tatsächlich, nach 1:22:11h hatte ich die komplette Strecke geschafft. Nonstop kraulen. Ohne Pause. Ich war so stolz, dass ich trotz der, sagen wir mal, Komplikationen nicht aufgegeben habe.

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Was nehme ich nun mit für das zukünftige Training?

  1. Ja, die 3,8km sind schaffbar. Aber nicht so mal eben, wie man vorher vielleicht denkt.
  2. Ich brauche unbedingt Creme, um zukünftig Scheuerstellen vom Neo zu vermeiden.
  3. Wenn ich nach dem Schwimmen auch noch die beiden anderen Disziplin schaffen und nicht nur irgendwie überstehen will, kommt noch eine ganze Menge Arbeit auf mich zu.

Komischerweise schaffe ich es nie, dass meine Herzfrequenz mal überdem RECOM/GA1-Bereich liegt. Egal, wie sehr ich mich anstrenge. Geht das irgendjemandem von euch genauso? Habt ihr Tipps? Ich weiß nämlich gar nicht so genau, woran ich eigentlich arbeiten muss, um auch mal in höhere Pulsbereiche zu kommen. Vom Gefühl her bewege ich mich da durchgehend, aber die Aufzeichnungen meiner Garmin beweisen etwas anderes.

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Hinterlasst mir gerne einen Kommentar dazu. Ich bin für jegliche Tipps und Hinweise dankbar, da ich ja immer allein trainiere und weder Trainingspartner noch Trainer an meiner Seite habe, mit denen so etwas besprechen könnte.

Formcheck #1. Wie fühlt es sich eigentlich an, 180km Rad zu fahren?

180 km mit dem Rennrad. Eins. Acht. Null. Mit dem Rennrad. Non stop. Ohne Pause. Ohne Absteigen. Mit einem normalen Fahrrad würde man bei einem Durchschnittstempo von 20km/h immerhin 9 Stunden brauchen, vorausgesetzt, man steigt kein einziges Mal ab. Das ist echt lange, wenn man mal genauer darüber nachdenkt. Und ich muss sagen, bis dato liegt die Antwort auf meine Eingangsfrage noch völlig außerhalb meiner Vorstellung. Bevor ich mich also offiziell zu einem Ironman anmelde, muss ich zumindest ansatzweise herausfinden, wie sich diese extremen Strecken in den drei Disziplinen eigentlich anfühlen und es für mich überhaupt im Bereich des Möglichen liegt, eine Triathlon-Langdistanz zu bewältigen.

Der erste Schritt in Richtung Langdistanz. Gestern habe ich mich deshalb auf mein Rennrad geschwungen mit dem Ziel, 120km zu fahren und zu sehen, ob ich das schaffe und wie gut ich mich dabei und danach eigentlich (noch) fühle. Und was meine Motivation eigentlich dazu sagt, ob sie mich bis nach Hause begleitet oder ob sie irgendwo auf der Strecke bleibt. Der Plan ist, die Distanz Schritt für Schritt zu verlängern, bis ich so einigermaßen in die Nähe der 180km komme. Ich muss für mich einfach vor der Anmeldung wissen, ob das wirklich machbar ist, schließlich kommt ja nach dem Rad fahren noch der Marathon. Zu viel schon mal vorweg: am Ende waren es 125km und trotz ziemlicher Schwankungen meiner Motivationskurve war ich letztlich glücklich und zufrieden.

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Auf los geht’s los. Von „ach, scheiß drauf, ich dreh um“ bis „komm, die paar km schaffst du noch“. Ich hatte mich tatsächlich schon einige Tage auf meine Tour gefreut, von daher war die Motivation am gestrigen Morgen riesig und der Schweinehund nicht zu sehen. Beste Voraussetzungen, um meinen Plan in die Tat umzusetzen. Wäre da nur nicht dieser Sturm. Immer, wirklich immer, stürmt es hier in Norddeutschland und wenn kein Sturm ist, dann zumindest ordentlicher Wind. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich finde Rad fahren bei Wind soooooooo furchtbar! Es ist anstrengend und man kommt nicht voran. Aber da hier einfach immer Wind ist, hab ich sowieso keine Wahl, außer gar nicht zu trainieren und das ist nun mal keine Option.

Wie schafft man es, sich trotzdem zu motivieren? Indem man sich die positiven Dinge vor Augen hält. Zum Beispiel wäre es noch viel schlimmer, wenn ich zusätzlich zum Sturm auch irgendwelche Berge hoch müsste. Da freu ich mich doch dann einfach, dass ich hier im Flachland wohne und mir die vielen Höhenmeter erspart bleiben. Alles nur eine Frage der Einstellung! Sehr hilfreich ist auch immer, sich den Moment vorzustellen, für den man das eigentlich letztendlich tut. Dazu muss ich aber auch sagen, dass man trotzdem auch Freude am Training selbst haben sollte. Man betreibt einen Sport schließlich nicht für irgendwelchen Ruhm oder Medaillen, zumindest nicht nur, sondern hauptsächlich für sich selbst. Aber zurück zum Punkt. Ich bin trotz Wind gestartet, mit einem Energieriegel im Gepäck und der Aussicht auf einen leckeren Milchkaffee nach 3/4 der Strecke. Bislang war ich maximal 90km gefahren, um mich auf den Ironman 70.3 vorzubereiten.

Die ersten 50km liefen, wie gewohnt, super. Dann tauchte so langsam der Schweinehund auf und ich habe diverse Male überlegt, ob ich nicht lieber schon umkehren sollte, weil er bestimmt noch größer werden würde und alles, was ich nun noch weiterfuhr, musste ich ja dann auch wieder zurückfahren. Aber: ich habe nicht nachgegeben. Ich hatte mir fest vorgenommen, die Strecke zu schaffen und deswegen bin ich weitergefahren.

Ab Kilometer 65 ging’s dann wieder Richtung Heimat und da kam dann das, was ich die ganze Zeit verdrängt hatte: der Gegenwind. Äh, Gegensturm. Ich konnte teilweise selbst in Aeroposition nicht schneller als 18km/h fahren. Das war schon echt frustrierend. Vor allem wusste ich ja schon vorher, dass so kommen würde. Aber das war dann so und da musste ich durch. Man darf sich dann aber auch einfach nicht so demotivieren lassen. Ich meine, wer sagt denn, dass man jede Einheit mit dem Rennrad mit einem Schnitt von 30km/h durchziehen muss?! Mein Ziel war, die Strecke einfach mal auszuprobieren, ohne Zeitdruck, ohne Tempoziel. Dann braucht man eben etwas länger. Na und? Training ist Training. So war es eine entspannte GA1-Einheit über 5:30Uhr. Statt meine Beinmuskeln völlig zu überlasten, habe ich die schöne Landschaft genossen und 90km gab es dann ersehnten Kaffee in einem kleinen Café an der Strecke.

Die letzten 35km waren dann zwar schon etwas anstrengend und ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich ganz froh war, als dann das Haus in Sicht kam. Aber prinzipiell denke ich, sind 180km schon machbar. Ist nur die Frage, wie gut der Marathon im Anschluss dann noch geht. Aber ich habe ja noch ein Jahr Zeit!

Der Elberadweg. Und ob er rennradtauglich ist. Da ich immer allein mit dem Rennrad unterwegs bin und daher aus Sicherheitsgründen nur ungern auf Hauptverkehrsstraßen (und überhaupt Straßen mit Auto- und LKW-Verkehr) unterwegs bin, brauchte ich einen Strecke, die erstens radtauglich, zweitens lang genug und drittens soweit ausgeschildert ist, dass man nicht ständig anhalten und mit dem Handy navigieren muss. Da ich bislang auch schon immer viel an der Elbe entlanggefahren bin und ich hier, seit ich geboren wurde, wohne, den Elberadweg aber noch nie entlanggefahren bin, habe ich die Gelegenheit genutzt und gleich mal einige Streckenabschnitte getestet.

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Von Marschacht bis Bleckede eignet sich der Radweg hervorragend. Man fährt fast durchgehend am Deich entlang ohne Straßenverkehr. Alles ist gut ausgeschildert und man läuft nicht Gefahr sich zu verfahren.

Zwischen Bleckede und Neu Darchau macht es mit dem Rennrad dann gar keinen Spaß, weil man einen großen Teil auf Sand- und Schotterwegen fährt und die asphaltierten Stücke wirklich viele tiefe Schlaglöcher haben. Kurz gesagt, mit 8,5 bar Durck auf den Reifen und natürlich keiner Federung juckelt man sich einen zurecht. Und das ist weder gut für’s Rad, noch ist es angenehm für die Handgelenke und den Allerwertesten des Fahrers. Das war echt schade, denn landschaftlich war vor allem dieser Abschnitt super schön und auf jeden Fall empfehlenswert. Dann aber mit dem Trekkingrad. Man kommt bestimmt auch irgendwie weiter am Deich entlang, aber bin gestern einfach stumpf den Schildern gefolgt. Ich werde das aber bei den nächsten Radeinheiten noch genauer auskundschaften.

 

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In Neu Darchau, wie auch an vielen anderen Punkten des Elberadwegs, kommt man mit einer Fähre auf die andere Seite. Das Ganze kostet 2,50€ pro Kopf und ist irgendwie ein netter Zusatz auf langen Radausfahrten. Auf der anderen Seiten ging es dann wieder zurück. Bis Boizenburg konnte man bis auf die letzten 6-7km problemlos mit dem Rennrad fahren, weil die Strecke durchgehend direkt am Deich entlangführt. Nur auf dem letzten Stück fährt man nicht mehr auf asphaltierten Wegen, sondern auf so rasengitterähnlichen Steinen. Das ging zwar einigermaßen mit dem Rennrad, aber richtig optimal ist das nicht.

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Zwischen Boizenburg und Lauenburg führt die Strecke dann nicht am Wasser entlang, sondern aus gut ausgebauten, asphaltierten Radwegen. Und auf dieser Seite der Elbe kann man auch hier im Flachland tatsächlich einige Höhenmeter sammeln. Fährt sich super mit dem Rennrad, nur innerhalb der Ortschaften, muss man ab und zu über Gehwege und Kopfsteinpflaster. Deswegen bin ich dann auch spontan an dieser Stelle wieder zurück auf die andere Seite gewechstelt und meine Standardstrecke am Deich nach Hause geradelt. Einmal quer durch die Altstadt, nur über Kopfsteinpflaster hab ich mir dann doch lieber gespart. Insgesamt eine tolle Radstrecke, nur nicht immer so gut für Rennradfahrer geeignet. Dafür kommt man nicht mit Autoverkehr in Kontakt. Da muss also jeder selbst abwägen, was ihm wichtiger ist.

Weitere Infos zum über 1000km langen Elberadweg gibt’s unter www.elberadweg.de .

Was nehme ich nun mit mein zukünftiges Training mit?

  1. Viele (sehr viele!) Radkilometer sammeln
  2. Unbedingt Rückenmuskulatur ins Krafttraining mit aufnehmen (für die Aeroposition usw.)

Ich bin nach der gestrigen Tour wirklich guter Dinge, was die Teilnahme an einem Ironman angeht, gleichzeitig hat mich die Einheit aber auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. 180km fährt man nicht mal eben so und es wird noch eine Menge Arbeit auf mich zukommen (das blendet man in der Zeit nach einem erfolgreichen Finish oft aus, weil man noch so beflügelt ist), aber ich weiß auch, dass ich es schaffen kann und das ist die beste Motivation!

 

Faszination Ironman. Warum die Idee mich nicht mehr loslässt.

Es ist wieder Triathlon-Saison und ich habe vor 3 Wochen meine erste Mitteldistanz bestritten. Bis zu jenem Tag habe ich immer behauptet (und ich war auch wirklich davon überzeugt), dass ich niemals, ganz sicher niemals, einen kompletten Ironman bestreiten würde. Nicht einmal den Wunsch danach habe ich verspürt, ganz im Gegenteil. Zuletzt habe ich eigentlich nach jeder langen Radeinheit gedacht: „Wie kann man bloß ernsthaft die doppelte Strecke fahren und dann auch noch Spaß daran haben?!“ Und dann auch noch der Marathon…nach dem ersten und bis dato auch letzten Marathon, den ich gelaufen bin, habe ich mir felsenfest vorgenommen, auf keinen Fall noch einmal diese Strecke zu laufen und das hat sich bis zum Tag des Ironman 70.3 Finish dieses Jahr auch nicht ansatzweise geändert.Und jetzt, nicht mal einen Monat später, wächst dieser Wille in mir, doch die Langdistanz anzugehen und jeden Tag wird dieser Wunsch stärker und damit auch die Motivation mich ernsthaft mit diesem Ziel beschäftigen.

Wie kam es zu diesem Sinneswandel? Tja, das ist eine gute Frage. Ich denke, dass die eigene Motivation mit der Größe der Herausforderung steigt. Dazu kommt diese riesige Euphorie nachdem man eines seiner Ziele erreicht und die Ziellinie überquert hat. Und ich muss sagen, so einen Gefühlsflash wie beim Finish des halben Ironman hatte ich noch nie. Natürlich weiß man schon, wenn man auf die Laufstrecke geht und sich gut fühlt, dass man es ins Ziel schaffen wird, und nach jedem Kilometer malt man sich aus, wie es wohl sein wird, wenn man es dann tatsächlich gepackt hat. Aber dieser Moment, in dem man nicht noch eine Runde drehen muss, sondern abbiegt auf die Zielgerade, ist einfach unbeschreiblich. Da kommt dann alles zusammen: Erleichterung, Freude, Erschöpfung, Stolz, das Wissen, dass sich das viele Training ausgezahlt hat. Ich hatte am nächsten Tag keinen Muskelkater und musste auch nicht auf allen Vieren ins Ziel kriechen. Ganz im Gegenteil, ich hatte eher das Gefühl, da geht noch was und das ist wahrscheinlich auch genau das, was mich nun so anstachelt, im nächsten Jahr den kompletten Ironman zu finishen.

Warum eigentlich unbedingt ein Ironman-Rennen? Da bin ich ganz ehrlich. Natürlich möchte ich diese Herausforderung in erster Linie für mich selbst meister, aber wenn ich schon so eine Monsterdistanz bewältige, dann muss das auch ein riesen Erlebnis werden und dazu gehört auch das ganze Drumherum, de vielen Zuschauer, die dicke Medaillie mit dem Titel Ironman. Wenn schon, denn schon. Für mich gehört das alles dazu und an das Erlebnis, das damit verbunden ist, werde ich mich wahrscheinlich mein Leben lang erinnern können. Und mir jetzt schon vorzustellen, wie es wohl sein könnte, im nächsten Jahr nach mindestens 12-13 Stunden die Ziellinie zu überqueren und die magischen Worte „You are an Ironman“ zu hören, macht bei mir einen ganz großen Teil der täglichen Motivation aus. Nur wenn man sein Ziel stets vor Augen hat, kann man die vielen Trainingseinheiten, die wirklich nicht immer leicht sind, immer wieder auf’s Neue, Woche für Woche, Monat für Monat angehen und durchziehen und dabei vor allem nicht den Spaß verlieren.